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Die schwarze Spinne
Erzählung
Über die
Berge hob sich die Sonne, leuchtete in klarer Majestät in
ein freundliches, aber enges Tal und
weckte zu fröhlichem Leben die
Geschöpfe, die geschaffen sind, an der Sonne ihres Lebens
sich zu freuen. Aus vergoldetem Waldessaume
schmetterte die Amsel
ihr Morgenlied, zwischen funkelnden Blumen in perlendem
Grase tönte der sehnsüchtigen
Wachtel eintönend Minnelied, über dunkeln
Tannen tanzten brünstige Krähen ihren Hochzeitreigen
oder krächzten zärtliche
Wiegenlieder über die dornichten Bettchen
ihrer ungefiederten Jungen. In
der Mitte der sonnenreichen Halde hatte die Natur einen
fruchtbaren, beschirmten Boden eingegraben;
mittendrin stand stattlich
und blank ein schönes Haus, eingefaßt von einem
prächtigen Baumgarten, in welchem
noch einige Hochäpfelbäume prangten
in ihrem späten Blumenkleide; halb stund das vom Hausbrunnen
bewässerte üppige Gras noch, halb war es bereits
dem Futtergange zugewandert. Um das
Haus lag ein sonntäglicher Glanz,
den man mit einigen Besenstrichen, angebracht Samstag abends
zwischen Tag und Nacht, nicht zu erzeugen vermag, der ein
Zeugnis ist des köstlichen Erbgutes angestammter Reinlichkeit,
die alle Tage gepflegt werden muß,
der Familienehre gleich, welcher
eine einzige unbewachte Stunde Flecken bringen kann, die
Blutflecken gleich unauslöschlich bleiben von Geschlecht zu
Geschlecht, jeder Tünche spottend.
Nicht umsonst
glänzte die durch Gottes Hand erbaute Erde und das
von Menschenhänden erbaute Haus im reinsten Schmucke;
über beide erglänzte heute
ein Stern am blauen Himmel, ein hoher Feiertag.
Es war der Tag, an welchem der Sohn wieder zum Vater gegangen
war zum Zeugnis, daß die Leiter noch am Himmel stehe,
auf welcher Engel auf- und niedersteigen und die Seele des
Menschen, wenn sie dem Leibe sich entwindet,
und ihr Heil und Augenmerk
beim Vater droben war und nicht hier auf Erden; es war
der Tag, an welchem die ganze Pflanzenwelt dem Himmel entgegenwächst
und blüht in voller Üppigkeit, dem Menschen ein
alle Jahre neu werdendes Sinnbild seiner
eigenen Bestimmung. Wunderbar
klang es über die Hügel her, man wußte nicht, woher
das Klingen kam, es tönte wie
von allen Seiten; es kam von den Kirchen
her draußen in den weiten Tälern; von dorther kündeten
die Glocken, daß die Tempel Gottes
sich öffnen allen, deren Herzen
offen seien der Stimme ihres Gottes. Ein
reges Leben bewegte sich um das schöne Haus. In des
Brunnens Nähe wurden mit besonderer
Sorgfalt Pferde gestriegelt, stattliche
Mütter, umgaukelt von lustigen Füllen; im breiten
Brunnentroge stillten behaglich blickende
Kühe ihren Durst, und zweimal
mußte der Bube Besen und Schaufel nehmen, weil er die
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