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fehlt, der Sommer kömmt, und droben ist kein Schattengang. In
Zeit eines Monates sollt ihr mir einen pflanzen, sollt hundert
ausgewachsene Buchen nehmen aus dem Münneberg mit Ästen
und Wurzeln und sollt sie mir pflanzen auf Bärhegen, und wenn
eine einzige Buche fehlt, so büßt ihr mir es mit Gut und Blut.
Drunten steht Trunk und Imbiß, aber morgen soll die erste Buche
auf Bärhegen stehn.
Als von Trunk und Imbiß einer hörte, meinte er, der Ritter sei
gnädig und gut gelaunt und begann zu reden von ihrer
notwendigen Arbeit und dem Hunger von Weib und Kind und vom
Winter, wo die Sache besser zu machen wäre. Da begann der
Zorn des Ritters Kopf größer und größer zu schwellen, und seine
Stimme brach los wie der Donner aus einer Fluh, und er sagte
ihnen: wenn er gnädig sei, so seien sie übermütig. Wenn im
Polenlande einer das nackte Leben habe, so küsse er einem die
Füße, hier hätten sie Kind und Rind, Dach und Fach und doch
nicht satt. Aber gehorsamer und genügsamer mache ich euch, so
wahr ich Hans von Stoffeln bin, und wenn in Monatsfrist die
hundert Buchen nicht oben stehen, so lasse ich euch peitschen,
bis kein Fingerlang mehr ganz an euch ist, und Weiber und Kinder
werfe ich den Hunden vor.
Da wagte keiner mehr eine Einrede, aber auch keiner begehrte
von dem Trunk und Imbiß; sie drängten sich, als der zornige
Befehl gegeben war, zur Türe hinaus, und jeder wäre gerne der
erste gewesen, und weithin folgte ihnen des Ritters donnernde
Stimme nach, der andern Ritter Gelächter, der Knechte Spott, der
Rüden Geheul.
Als der Weg sich beugte, vom Schlosse sie nicht mehr konnten
gesehen werden, setzten sie sich an des Weges Rand und
weinten bitterlich, keiner hatte einen Trost für den andern, und
keiner hatte den Mut zu rechtem Zorn, denn Not und Plage hatten
den Mut ihnen ausgelöscht, so daß sie keine Kraft mehr zum
Zorne hatten, sondern nur noch zum Jammer. Über drei Stunden
weit sollten sie durch wilde Wege die Buchen führen mit Ästen und
Wurzeln den steilen Berg hinauf, und neben diesem Berge
wuchsen viele und schöne Buchen, und die mußten sie stehen
lassen! In Monatsfrist sollte das Werk geschehen sein, zwei Tage
drei, den dritten vier Bäume sollten sie schleppen durchs lange
Tal, den steilen Berg auf mit ihrem ermatteten Vieh. Und über alles
dieses war es der Maimond, wo der Bauer sich rühren muß auf
seinem Acker, fast Tag und Nacht ihn nicht verlassen darf, wenn
er Brot will und Speise für den Winter.
Wie sie da so ratlos weinten, keiner den andern ansehen, in den
Jammer des andern sehen durfte, weil der seinige schon über ihm
zusammenschlug, und keiner heimdurfte mit der Botschaft, keiner
den Jammer heimtragen mochte zu Weib und Kind, stund plötzlich
vor ihnen, sie wußten nicht, woher, lang und dürre ein grüner
Jägersmann. Auf dem kecken Barett schwankte eine rote Feder,
im schwarzen Gesichte flammte ein rotes Bärtchen, und zwischen
der gebogenen Nase und dem zugespitzten Kinn, fast unsichtbar
wie eine Höhle unter überhangendem Gestein, öffnete sich ein
Mund und frug: Was gibt es, ihr guten Leute, daß ihr da sitzet und
heulet, daß es Steine aus dem Boden sprengt und Äste ab den
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