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dich nicht! sagte der Grüne und klopfte Christine holdselig auf die
Wange. Da klopfte doch ihr Herz, sie hätte lieber die Männer
hineingestoßen, um hintendrein sie schuld geben zu können. Aber
die Zeit drängte, kein Mann war da als Sündenbock, und der
Glaube verließ sie nicht, daß sie listiger als der Grüne sei und wohl
ein Einfall kommen werde, ihn mit langer Nase abzuspeisen.
Darum sagte Christine: sie für ihre Person wolle zugesagt haben;
wenn aber dann später die Männer nicht wollten, so vermochte sie
sich dessen nicht und er solle es sie nicht entgelten lassen. Mit
dem Versprechen, zu tun, was sie könne, sei er hinlänglich
zufrieden, sagte der Grüne. Jetzt schauderte es Christine doch an
Leib und Seele, jetzt, meinte sie, komme der schreckliche
Augenblick, wo sie mit Blut von ihrem Blute dem Grünen den
Akkord unterschreiben müsse. Aber der Grüne machte es viel
leichtlicher und sagte: von hübschen Weibern begehre er nie eine
Unterschrift, mit einem Kuß sei er zufrieden. Somit spitzte er
seinen Mund gegen Christines Gesicht, und Christine konnte nicht
fliehen, war wiederum wie gebannt, steif und starr. Da berührte der
spitzige Mund Christines Gesicht, und ihr war, als ob von spitzigem
Eisen aus Feuer durch Mark und Bein fahre, durch Leib und Seele;
und ein gelber Blitz fuhr zwischen ihnen durch und zeigte Christine
freudig verzerrt des Grünen teuflisch Gesicht, und ein Donner fuhr
über sie, als ob der Himmel zersprungen wäre.
Verschwunden war der Grüne, und Christine stund wie versteinert,
als ob tief in den Boden hinunter ihre Füße Wurzeln getrieben
hätten in jenem schrecklichen Augenblick. Endlich war sie ihrer
Glieder wieder mächtig, aber im Gemüte brauste und sauste es
ihr, als ob ein mächtiges Wasser seine Fluten wälze über
turmhohen Felsen hinunter in schwarzen Schlund. Wie man im
Donner der Wasser die eigene Stimme nicht hört, so ward
Christine der eigenen Gedanken sich nicht bewußt im Tosen, das
donnerte in ihrem Gemüte. Unwillkürlich floh sie den Berg hinan,
und immer glühender fühlte sie ein Brennen an ihrer Wange, da
wo des Grünen Mund sie berührt; sie rieb, sie wusch, aber der
Brand nahm nicht ab.
Es war eine wilde Nacht. In Lüften und Klüften heulte und toste es,
als ob die Geister der Nacht Hochzeit hielten in den schwarzen
Wolken, die Winde die wilden Reigen spielten zu ihrem grausen
Tanze, die Blitze die Hochzeitfackeln wären und der Donner der
Hochzeitsegen. In dieser Jahreszeit hatte man eine solche Nacht
noch nie erlebt.
In finsterem Bergestale regte es sich um ein großes Haus, und
viele drängten sich um sein schirmend Obdach. Sonst treibt im
Gewittersturm die Angst um den eigenen Herd den Landmann
unter das eigene Dach, und sorgsam wachend, solange das
Gewitter am Himmel steht, wahret und hütet er das eigene Haus.
Aber jetzt war die gemeinsame Not größer als die Angst vor dem
Gewitter. Diese trieb sie in diesem Hause zusammen, an welchem
vorbeigehen mußten die, welche der Sturm aus dem Münneberg
trieb, und die, welche von Bärhegen sich geflüchtet. Den Graus
der Nacht ob dem eigenen Elend vergessend, hörte man sie
klagen und grollen über ihr Mißgeschick. Zu allem Unglück war
noch das Toben der Natur gekommen. Pferde und Ochsen waren
scheu geworden, betäubt, hatten Wagen zertrümmert, sich über
Felsen gestürzt, und schwer verwundet stöhnte mancher in tiefem
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