| |
Seite - 25 -
einmal der Tod ihre Leiber genommen! Er lachte jetzt über seine
Ritter und schützte die Bauren vor ihrem Mutwillen. Diese wollten
den Handel doch ergründen und sandten Knappen zur Wache; die
fand man des Morgens halb tot in Gräben, wohin eine unsichtbare
Hand sie geschleudert.
Da zogen zwei Ritter hin auf Bärhegen. Es waren kühne Degen,
und wo ein Wagnis zu bestehen gewesen im Heidenland, da
hatten sie es bestanden. Am Morgen fand man sie erstarrt am
Boden, und als sie der Rede wieder mächtig waren, sagten sie, ein
roter Ritter mit feuriger Lanze hätte sie niedergerannt. Hie und da
konnte eine neugierige Weibsseele sich nicht enthalten, wenn es
Mitternacht war, durch eine Spalte oder Luke nach dem Wege im
Tale zu sehen. Alsbald wehete ein giftiger Wind sie an; das
Gesicht schwoll auf, wochenlang konnte man weder Nase noch
Augen sehen, den Mund mit Mühe finden. Da verging den Leuten
das Spähen, und kein Auge sah mehr zu Tale, wenn Mitternacht
über demselben lag.
Einmal aber kam plötzlich einen Mann das Sterben an; er bedurfte
des letzten Trostes, aber niemand durfte den Priester holen, denn
Mitternacht war nahe, und der Weg führte am Kilchstalden vorbei.
Da lief ein unschuldig Bübchen, Gott und Menschen lieb, aus
Angst um den Vater ungeheißen Sumiswald zu. Als er gegen den
Kilchstalden kam, sah er von dort die Buchen auffahren vom
Boden, jede von zwei feurigen Eichhörnchen gezogen, und
nebenbei sah er reiten auf schwarzem Bocke einen grünen Mann,
eine feurige Geißel hatte er in der Hand, einen feurigen Bart im
Gesichte, und auf dem Hute schwankte glutrot eine Feder. So sei
der Zug gefahren hoch durch die Lüfte über alle Egg weg und
schnell wie ein Augenblick. Solches sah der Knabe, und niemand
tat ihm was.
Noch waren nicht drei Wochen vergangen, so stunden neunzig
Buchen auf Bärhegen, machten einen schönen Schattengang,
denn alle schlugen üppig aus, keine einzige verdorrte. Aber die
Ritter und auch der von Stoffeln ergingen sich nicht oft darin, es
wehte sie allemal ein heimlich Grauen an; sie hätten von der
Sache lieber nichts mehr gewußt, aber keiner machte ihr ein Ende,
es tröstete ein jeder sich: fehle es, so trage der andere die Schuld.
Den Bauren aber wohlete es mit jeder Buche, welche oben war,
denn mit jeder Buche wuchs die Hoffnung, dem Herrn zu genügen,
den Grünen zu betrügen; er hatte ja kein Unterpfand, und war die
hundertste einmal oben, was frugen sie dann dem Grünen nach?
Indessen waren sie der Sache noch nicht sicher; alle Tage
fürchteten sie, er spiele ihnen einen Schabernack und lasse sie im
Stiche. Am Urbanustage brachten sie ihm die letzten Buchen an
den Kilchstalden, und alt und jung schlief wenig in selber Nacht;
man konnte fast nicht glauben, daß er ohne Umstände und ohne
Kind oder Pfand die Arbeit vollende.
Am folgenden Morgen lange vor der Sonne waren alt und jung auf
den Beinen, in allen regte sich die gleiche neugierige Angst; aber
lange wagte sich keiner auf den Platz, wo die Buchen lagen; man
wußte nicht, lag dort eine Beize für die, welche den Grünen
betrügen wollten.
|  |
|
| |
|
|