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Ein wilder Küherbub, der Zieger von der Alp gebracht, wagte es
endlich, sprang voran und fand keine Buchen mehr, und keine
Hinterlist tat auf dem Platze sich kund. Noch trauten sie dem
Spiele nicht; ihnen vorauf mußte der Küherbub nach Bärhegen.
Dort war alles in der Ordnung, hundert Buchen standen in Reih
und Glied, keine war verdorret, keinem aus ihnen lief das Gesicht
auf, keinem tat ein Glied weh. Da stieg der Jubel hoch in ihren
Herzen, und viel Spott gegen den Grünen und gegen die Ritter
floß. Zum drittenmal sandten sie aus den wilden Küherbub und
ließen dem von Stoffeln sagen, es sei auf Bärhegen nun alles in
der Ordnung, er möchte kommen und die Buchen zählen. Dem
aber ward es graulicht, und er ließ ihnen sagen, sie sollten
machen, daß sie heimkämen. Gerne hätte er ihnen sagen lassen,
sie sollten den ganzen Schattengang wieder wegschaffen, aber er
tat es nicht seiner Ritter wegen, es sollte nicht heißen, er fürchte
sich; aber er wußte nicht um der Bauren Pacht und wer sich in den
Handel mischen könnte.
Als der Kühersbub den Bescheid brachte, da schwollen die Herzen
noch trotziger auf; die wilde Jugend tanzte im Schattengange,
wildes Jodeln hallte von Kluft zu Kluft, von Berg zu Berg, hallte an
den Mauren des Schlosses Sumiswald wider. Bedächtige Alte
warnten und baten, aber trotzige Herzen achten bedächtiger Alten
Warnung nicht; wenn dann das Unglück da ist, so sollen es die
Alten mit ihrem Zagen und Warnen herbeigezogen haben. Die Zeit
ist noch nicht da, wo man es erkennt, daß der Trotz das Unglück
aus dem Boden stampft. Der Jubel zog sich über Berg und Tal in
alle Häuser, und wo noch eines Fingers lang Fleisch im Rauche
hing, da ward es gekocht, und wo noch eine Handgroß Butter im
Hafen war, da wurde geküchelt.
Das Fleisch ward gegessen, die Küchli schwanden, der Tag war
verronnen, und ein anderer Tag stieg am Himmel auf. Immer näher
kam der Tag, an welchem ein Weib ein Kind gebären sollte; und, je
näher der Tag kam, um so dringlicher kam die Angst wieder: der
Grüne werde sich wieder künden, fordern, was ihm gehöre, oder
ihnen eine Beize legen.
Den Jammer jenes jungen Weibes, welches das Kind gebären
sollte, wer will ihn ermessen? Im ganzen Hause tönte er wider,
ergriff nach und nach alle Glieder des Hauses, und Rat wußte
niemand, wohl aber, daß dem, mit dem man sich eingelassen,
nicht zu trauen sei. Je näher die verhängnisvolle Stunde kam, um
so näher drängte das arme Weibchen sich zu Gott, umklammerte
nicht mit den Armen allein, sondern mit dem Leibe und der Seele
und aus ganzem Gemüte die heilige Mutter, bittend um Schutz um
ihres gebenedeiten Sohnes willen. Und ihr ward immer klarer, daß
im Leben und Sterben in jeder Not der größte Trost bei Gott sei,
denn, wo der sei, da dürfe der Böse nicht sein und hätte keine
Macht.
Immer deutlicher trat der Glaube vor dessen Seele, daß, wenn ein
Priester des Herren mit dem Allerheiligsten, dem heiligen Leibe
des Erlösers, bei der Geburt zugegen wäre und bewaffnet mit
kräftigen Bannsprüchen, so dürfte kein böser Geist sich nahen,
und alsobald könnte der Priester das neugeborne Kind mit dem
Sakramente der Taufe versehen, was die damalige Sitte erlaubte;
dann wäre das arme Kind der Gefahr für immer entrissen, welche
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