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näher die erwartete Stunde kam, um so mehr schien die Not
wieder zuzunehmen, und sie erkannten, daß sie bestimmte Abrede
treffen müßten, wie sie des Kindes sicher und sonder Fehl sich
bemächtigen könnten. Den Mann fürchteten sie am meisten, und
Gewalt gegen ihn zu brauchen war ihnen zuwider. Da übernahm
Christine, ihn zu gewinnen, und sie gewann ihn. Er wollte um die
Sache nicht wissen, wollte seinem Weibe zu Willen sein, den
Priester holen, aber nicht eilen, und was in seiner Abwesenheit
vorgehe, darnach wolle er nicht fragen; so fand er sich mit seinem
Gewissen ab, mit Gott wollte er sich durch Messen abfinden, und
für des armen Kindes Seele sei vielleicht auch noch etwas zu tun,
dachte er, vielleicht gewinne der fromme Priester es dem Teufel
wieder ab, dann seien sie aus dem Handel, hätten das Ihre getan
und den Bösen doch geprellt. So dachte der Mann, und jedenfalls,
es möge nun gehen, wie es wolle, so hätte er an der ganzen
Sache keine Schuld, sobald er nicht mit selbsteigenen Händen
dabei tätig sei.
So war das arme Weibchen verkauft und wußte es nicht, hoffte mit
Bangen nach Rettung; und beschlossen im Rate der Menschen
war der Stoß in sein Herz; aber was der droben beschlossen hatte,
das deckten noch die Wolken, die vor der Zukunft liegen.
Es war ein gewitterhaftes Jahr und die Ernte gekommen; alle
Kräfte wurden angespannt, um in den heitern Stunden das Korn
unter das sichere Dach zu bringen. Es war ein heißer Nachmittag
gekommen, schwarze Häupter streckten die Wolken über die
dunklen Berge empor, ängstlich ums Dach flatterten die
Schwalben, und dem armen Weibchen ward so eng und bang
allein im Hause, denn selbst die Großmutter war draußen auf dem
Acker, zu helfen mit dem Willen mehr als mit der Tat. Da zuckte
zweischneidend der Schmerz ihm durch Mark und Bein, es
dunkelte vor seinen Augen, es fühlte das Nahen seiner Stunde und
war allein. Die Angst trieb es aus dem Hause, schwerfällig schritt
es dem Acker zu, aber bald mußte es sich niedersetzen; es wollte
in die Ferne die Stimme schicken, aber diese wollte nicht aus der
beklemmten Brust. Bei ihm war ein klein Bübchen, das erst seine
Beinchen brauchen lernte, das nie noch auf eigenen Beinen auf
dem Acker gewesen war, sondern nur auf der Mutter Arm. Dieses
Bübchen mußte das arme Weib als seinen Boten brauchen, wußte
nicht, ob es den Acker finden, ob seine Beinchen dahin ihns tragen
würden. Aber das treue Bübchen sah, in welcher Angst die Mutter
war, und lief und fiel und stand wieder auf, und die Katze jagte sein
Kaninchen, Tauben und Hühner liefen ihm um die Füße, stoßend
und spielend sprang sein Lamm ihm nach, aber das Bübchen sah
alles nicht, ließ sich nicht säumen und richtete treulich seine
Botschaft aus.
Atemlos erschien die Großmutter, aber der Mann säumte; nur das
Fuder solle er noch ausladen, hieß es. Eine Ewigkeit verstrich,
endlich kam er, und wiederum verstrich eine Ewigkeit, endlich ging
er langsam auf den langen Weg, und in Todesangst fühlte das
arme Weib, wie seine Stunde schneller und schneller nahte.
Frohlockend hatte Christine draußen auf dem Acker allem
zugesehen. Heiß brannte wohl die Sonne zu der schweren Arbeit,
aber die Spinne brannte fast gar nicht mehr, und leicht schien ihr
der Gang in den nächsten Stunden. Sie trieb fröhlich die Arbeit und
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