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eilte mit dem Heimgehn nicht, wußte sie doch, wie langsam der
Bote war. Erst als die letzte Garbe geladen war und Windstöße
das nahende Gewitter verkündeten, eilte Christine ihrer Beute zu,
die ihr gesichert war; so meinte sie. Und als sie heimging, da
winkte sie bedeutungsvoll manchem Begegnenden, sie nickten ihr
zu, trugen rasch die Botschaft heim; da schlotterte manches Knie,
und manche Seele wollte beten in unwillkürlicher Angst, aber sie
konnte nicht.
Drinnen im Stübchen wimmerte das arme Weib, und zu Ewigkeiten
wurden die Minuten, und die Großmutter vermochte den Jammer
nicht zu stillen mit Beten und Trösten. Sie hatte das Stübchen wohl
verschlossen und schweres Geräte vor die Türe gestellt. Solange
sie alleine im Hause waren, war es noch dabeizusein, aber als sie
Christine heimkommen sahen, als sie ihren schleichenden Tritt an
der Türe hörten, als sie draußen noch manch andern Tritt hörten
und heimliches Flüstern, kein Priester sich zeigte, kein anderer
treuer Mensch und näher und näher der sonst so ersehnte
Augenblick trat, da kann man sich denken, in welcher Angst die
armen Weiber schwammen wie in siedendem Öle, ohne Hülfe und
ohne Hoffnung. Sie hörten, wie Christine nicht von der Türe wich;
es fühlte das arme Weib seiner wilden Schwägerin feurige Augen
durch die Türe hindurch, und sie brannten es durch Leib und
Seele. Da wimmerte das erste Lebenszeichen eines Kindes durch
die Türe, unterdrückt so schnell als möglich, aber zu spät. Die Türe
flog auf von wütendem, vorbereiteten Stoße, und wie auf seinen
Raub der Tiger stürzt, stürzt Christine auf die arme Wöcherin. Die
alte Frau, die dem Sturm sich entgegenwirft, fällt nieder, in heiliger
Mutterangst rafft die Wöcherin sich auf, aber der schwache Leib
bricht zusammen, in Christines Händen ist das Kind; ein gräßlicher
Schrei bricht aus dem Herzen der Mutter, dann hüllt sie in
schwarzen Schatten die Ohnmacht.
Zagen und Grauen ergriff die Männer, als Christine mit dem
geraubten Kinde herauskam. Das Ahnen einer grausen Zukunft
ging ihnen auf, aber keiner hatte Mut, die Tat zu hemmen, und die
Furcht vor des Teufels Plagen war stärker als die Furcht vor Gott.
Nur Christine zagte nicht, glühend leuchtete ihr Gesicht, wie es
dem Sieger leuchtet nach überstandenem Kampfe, es war ihr, als
ob die Spinne in sanftem Jucken ihr liebkose; die Blitze, die auf
ihrem Wege zum Kilchstalden sie umzüngelten, schienen ihr
fröhliche Lichter, der Donner ein zärtlich Grollen, ein lieblich
Säuseln der racheschnaubende Sturm.
Hans, des armen Weibes Mann, hatte sein Versprechen nur zu gut
gehalten. Langsam war er seines Weges gegangen, hatte
bedächtig jeden Acker beschauet, jedem Vogel nachgesehen, den
Fischen im Bache abgewartet, wie sie sprangen und Mücken
fingen vor dem einbrechenden Gewitter. Dann juckte er vorwärts,
rasche Schritte tat er, einen Ansatz zum Springen nahm er; es war
etwas in ihm, das ihn trieb, das ihm die Haare auf dem Kopfe
emportrieb: es war das Gewissen, das ihm sagte, was ein Vater
verdiene, der Weib und Kind verrate, es war die Liebe, die er doch
noch hatte zu seinem Weibe und seiner Leibesfrucht. Aber dann
hielt ihn wieder ein anderes, und das war stärker als das erste, es
war die Furcht vor den Menschen, die Furcht vor dem Teufel und
die Liebe zu dem, was dieser ihm nehmen konnte. Dann ging er
wieder langsamer, langsam wie ein Mensch, der seinen letzten
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