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Gang tut, der zu seiner Richtstätte geht. Vielleicht war es auch so,
weiß doch gar mancher Mensch nicht, daß er den letzten Gang tut;
wenn er es wüßte, er täte ihn nicht oder anders.
So war es spät geworden, ehe er auf Sumiswald kam. Schwarze
Wolken jagten über den Münneberg her, schwere Tropfen fielen,
vermengten im Staube, und dumpf begann das Glöcklein im
Turme die Menschen zu mahnen, daß sie denken möchten an Gott
und ihn bitten, daß er sein Gewitter nicht zum Gerichte werden
lasse über sie. Vor seinem Hause stand der Priester, zu jeglichem
Gange gerüstet, damit er bereit sei, wenn sein Herr, der über
seinem Haupte daherfuhr, zu einem Sterbenden oder einem
brennenden Hause oder sonstwohin ihn rufe. Als er Hans kommen
sah, erkannte er den Ruf zum schweren Gange, schürzte sein
Gewand und sandte Botschaft seinem läutenden Sigrist, daß er
sich ablösen lasse am Glockenstrang und sich einfinde zu seinem
Begleit. Unterdessen stellte er Hans einen Labetrunk vor, so
wohltätig nach raschem Laufe in schwüler Luft, dessen Hans nicht
bedürftig war, aber der Priester ahnte die Tücke des Menschen
nicht. Bedächtig labte sich Hans. Zögernd fand der Sigrist sich ein
und nahm gerne teil an dem Tranke, den Hans ihm bot. Gerüstet
stand vor ihnen der Priester, verschmähend jeden Trank, den er zu
solchem Gang und Kampf nicht bedurfte. Er hieß ungerne von der
Kanne weggehen, die er aufgestellt, ungerne verletzte er die
Rechte des Gastes, aber er kannte ein Recht, das höher war als
das Gastrecht, das säumige Trinken fuhr ihm zornig durch die
Glieder.
Er sei fertig, sagte er endlich, ein bekümmert Weib harre, und über
ihm sei eine grauenvolle Untat, und zwischen das Weib und die
Untat müßte er stehn mit heiligen Waffen, darum sollten sie nicht
säumen, sondern kommen, droben werde wohl noch etwas sein
für den, der den Durst hier unten nicht gelöscht. Da sprach Hans,
des harrenden Weibes Mann, es eile nicht so sehr, bei seinem
Weibe gehe jede Sache schwer. Und alsobald flammte ein Blitz in
die Stube, daß alle geblendet waren, und ein Donner brach los
überm Hause, daß jeder Posten am Haus, jedes Glied im Hause
bebte. Da sprach der Sigrist, als er seinen Segenspruch vollendet.
Hört, wie es macht draußen, und der Himmel hat selbst bestätigt,
was Hans gesagt, daß wir warten sollen, und was nützte es, wenn
wir gingen, lebendig kämen wir doch nimmer hinauf, und er selbst
hat ja gesagt, daß es bei seinem Weibe nicht solche Eile habe.
Und allerdings stürmte ein Gewitter daher, wie man in
Menschengedenken nicht oft erlebt. Aus allen Schlünden und
Gründen stürmte es heran, stürmte von allen Seiten, von allen
Winden getrieben über Sumiswald zusammen, und jede Wolke
ward zum Kriegesheer, und eine Wolke stürmte an die andere,
eine Wolke wollte der andern Leben, und eine Wolkenschlacht
begann, und das Gewitter stund, und Blitz auf Blitz ward
entbunden, und Blitz auf Blitz schlug zur Erde nieder, als ob sie
sich einen Durchgang bahnen wollten durch der Erde Mitte auf der
Erde andere Seite. Ohne Unterlaß brüllte der Donner, zornesvoll
heulte der Sturm, geborsten war der Wolken Schoß, Fluten
stürzten nieder. Als so plötzlich und gewaltig die Wolkenschlacht
losbrach, da hatte der Priester dem Sigristen nicht geantwortet,
aber sich nicht niedergesetzt, und ein immer steigendes Bangen
ergriff ihn, ein Drang kam ihn an, sich hinauszustürzen in der
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