| |
Seite - 39 -
der Fuß ward schwarz, und im Leibe war's, als kämpfe zischend
und wütend Feuer mit Wasser; die Angst sprengte die Fesseln des
Schreckens, der Haufe stob auseinander. Aber in wunderbarer
Schnelle hatte die Spinne ihren ersten Sitz verlassen und kroch
diesem über den Fuß und jenem an die Ferse, und Glut fuhr durch
ihren Leib, und ihr gräßlich Geschrei jagte die Fliehenden noch
heftiger. In Windeseile, in Todesschrecken, wie das gespenstige
Wild vor der wilden Jagd stoben sie ihren Hütten zu, und jeder
meinte hinter sich die Spinne, versammelte die Türe und hörte
doch nicht auf zu beben in unsäglicher Angst.
Und einen Tag war die Spinne verschwunden, kein neues
Todesgeschrei hörte man, die Leute mußten die versammelten
Häuser verlassen, mußten Speise suchen fürs Vieh und sich, sie
taten es mit Todesangst. Denn wo war jetzt die Spinne, und konnte
sie nicht hier sein und unversehens auf den Fuß sich setzen? Und
wer am vorsichtigsten niedertrat und mit den Augen am schärfsten
spähte, der sah die Spinne plötzlich sitzend auf Hand oder Fuß,
sie lief ihm übers Gesicht, saß schwarz und groß ihm auf der Nase
und glotzte ihm in die Augen, feurige Stacheln wühlten sich in sein
Gebein, der Brand der Hölle schlug über ihm zusammen, bis der
Tod ihn streckte.
So war die Spinne bald nirgends, bald hier, bald dort, bald im Tale
unten, bald auf den Bergen oben; sie zischte durchs Gras, sie fiel
von der Decke, sie tauchte aus dem Boden auf. An hellem Mittage,
wenn die Leute um ihr Habermus saßen, erschien sie glotzend
unten am Tisch, und ehe die Menschen den Schrecken gesprengt,
war sie allen über die Hände gelaufen, saß oben am Tisch auf des
Hausvaters Haupte und glotzte über den Tisch, die schwarz
werdenden Hände weg. Sie fiel des Nachts den Leuten ins
Gesicht, begegnete ihnen im Walde, suchte sie heim im Stalle. Die
Menschen konnten sie nicht meiden, sie war nirgends und
allenthalben, konnten im Wachen vor ihr sich nicht schützen,
waren schlafend vor ihr nicht sicher. Wenn sie am sichersten sich
wähnten unterem freien Himmel, auf eines Baumes Gipfel, so
kroch Feuer ihnen den Rücken auf, der Spinne feurige Füße
fühlten sie im Nacken, sie glotzte ihnen über die Achsel. Das Kind
in der Wiege, den Greis auf dem Sterbebette schonte sie nicht; es
war ein Sterbet, wie man noch von keinem wußte, und das
Sterben daran war schrecklicher, als man es je erfahren, und
schrecklicher noch als das Sterben war die namenlose Angst vor
der Spinne, die allenthalben war und nirgends, die, wenn man am
sichersten sich wähnte, einem todbringend plötzlich in die Augen
glotzte.
Die Kunde von diesem Schrecken war natürlich alsobald ins
Schloß gedrungen und hatte auch dorthin Schreck und Streit
gebracht, soweit er bei den Regeln des Ordens stattfinden konnte.
Dem von Stoffeln machte es bange, daß auch sie ebenso
heimgesucht werden möchten wie früher ihr Vieh, und der
verstorbene Priester hatte manches geäußert, welches ihm jetzt
die Seele aufrührte. Er hatte ihm manchmal gesagt, daß alles Leid,
welches er den Bauren antue, auf ihn zurückfahre, aber er hatte es
nie geglaubt, weil er meinte, Gott werde einen Unterschied zu
machen wissen zwischen einem Ritter und einem Bauer, hätte er
sie doch sonst nicht so verschieden erschaffen. Aber jetzt ward
ihm doch angst, es gehe nach des Priesters Wort, gab harte Worte
|  |
|
| |
|
|