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Ecken des Hauses schauten Gesichter nach ihnen aus, und der
Türk bellte aus Leibeskräften, als ob er sie herbeirufen wollte. Die
Großmutter aber sagte: »Ehemals ist das doch nicht so gewesen,
da wußte man, daß man an solchen Tagen zu rechter Zeit
aufzustehen habe und der Herr niemanden warte.« Endlich stürzte
der Bub in die Küche mit der Nachricht, die Gotte komme.
Sie kam, schweißbedeckt und beladen wie das Neujahrkindlein. In
der einen Hand hatte sie die schwarzen Schnüre eines großen,
blumenreichen Wartsäckleins, in welchem, in ein fein, weißes
Handtuch gewickelt, eine große Züpfe stach, ein Geschenk für die
Kindbetterin. In der andern Hand trug sie ein zweites Säcklein, und
in demselben war eine Kleidung für das Kind nebst etwelchen
Stücken zu eigenem Gebrauch, namentlich schöne weiße
Strümpfe; und unter dem einen Arme hatte sie noch eine Drucke
mit dem Kränzchen und der Spitzenkappe mit den prächtigen,
schwarzseidenen Haarschnüren. Freudig tönten ihr die
Gottwillchen (in Gott willkommen) entgegen von allen Seiten, und
kaum hatte sie Zeit, von ihren Bürden eine abzustellen, um den
entgegengestreckten Händen freundlich zu begegnen. Von allen
Seiten streckten sich dienstbare Hände nach ihren Lasten, und
unter der Türe stand die junge Frau, und da ging ein neues
Grüßen an, bis die Hebamme in die Stube mahnte: sie könnten ja
drinnen einander sagen, was der Brauch sei.
Und mit handlichen Manieren setzte die Hebamme die Gotte hinter
den Tisch, und die junge Frau kam mit dem Kaffee, wie sehr auch
die Gotte sich weigerte und vorgab, sie hätte schon gehabt. Des
Vaters Schwester täte es nicht, daß sie ungegessen aus dem
Hause ginge, das schade jungen Mädchen gar übel, sage sie.
Aber sie sei schon alt, und die Jungfrauen (Mägde) möchten auch
nicht zu rechter Zeit auf, deswegen sei sie so spät; wenn es an ihr
allein gelegen hätte, sie wäre längstens da. In den Kaffee wurde
die dicke Nidel gegossen, und wie sehr die Gotte sich wehrte und
sagte, sie liebe es gar nicht, warf ihr doch die Frau ein Stück
Zucker in denselben. Lange wollte es die Gotte nicht zulassen,
daß ihretwegen die Züpfe angehauen würde, indessen mußte sie
sich ein tüchtiges Stück vorlegen lassen und essen. Käse wollte
sie lange nicht, es hätte dessen gar nicht nötig, sagte sie. Sie
werde meinen, es sei nur halbmagern, und, deshalb schätze sie
ihn nicht, sagte die Frau, und die Gotte mußte sich ergeben. Aber
Küchli wollte sie durchaus nicht, die wüßte sie gar nicht wohin tun,
sagte sie. Sie glaube nur, sie seien nicht sauber, und werde an
bessere gewöhnt sein, erhielt sie endlich zur Antwort. Was sollte
sie anders machen als Küchli essen? Während dem Nöten aller
Art hatte sie abgemessen in kleinen Schlücken das erste Kacheli
ausgetrunken, und nun erhob sich ein eigentlicher Streit. Die Gotte
kehrte das Kacheli um, wollte gar keinen Platz mehr haben für
fernere Guttaten und sagte: man solle sie doch in Ruhe lassen,
sonst müßte sie sich noch verschwören. Da sagte die Frau, es sei
ihr doch so leid, daß sie ihn so schlecht finde, sie hätte doch der
Hebamme dringlichst befohlen, ihn so gut als möglich zu machen,
sie vermochte sich dessen wahrhaftig nichts, daß er so schlecht
sei, daß ihn niemand trinken möge, und an der Nidle sollte es doch
auch nicht fehlen, sie hätte dieselbe abgenommen, wie sie es
sonst nicht alle Tage im Brauch hätte. Was sollte die arme Gotte
anders machen als noch ein Kacheli sich einschenken lassen?
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