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löschte auf einmal alles Leben aus, die Hände hielten erstarrt
Becher oder Gabel, der Mund blieb offen, stier waren alle Augen
auf einen Punkt gerichtet, nur der von Stoffeln trank den Becher
leer und erzählte an einer Heldentat im Heidenlande. Aber auf
seinem Kopfe saß groß die Spinne und glotzte um den Rittertisch,
aber der Ritter fühlte sie nicht. Da begann die Glut zu strömen
durch Gehirn und Blut, gräßlich schrie er auf, fuhr mit der Hand
nach dem Kopfe, aber die Spinne war nicht mehr dort, war in ihrer
schrecklichen Schnelle den Rittern allen über ihre Gesichter
gelaufen, keiner konnte es wehren; einer nach dem andern schrie
auf, von Glut verzehrt, und von des Pfaffen Glatze nieder glotzte
sie in den Greuel hinein, und mit dem Becher, der nicht aus seiner
Hand wollte, wollte der Pfaffe den Brand löschen, der loderte vom
Kopfe herab durch Mark und Bein. Aber der Waffe trotzte die
Spinne und glotzte von ihrem Throne herab in den Greuel, bis der
letzte Ritter den letzten Schrei ausgestoßen, am letzten Atemzuge
geendet.
Im Schlosse blieben nur wenige Diener verschont, die nie Hohn
mit den Bauren getrieben; sie erzählten, wie schrecklich es
gegangen. Das Gefühl, daß den Rittern ihr Recht geschehen,
tröstete aber die Bauren nicht, der Schreck ward immer größer,
gräßlicher. Mancher suchte zu fliehen. Die einen wollten das Tal
verlassen, aber gerade die fielen der Spinne zu. Auf dem Wege
fand man ihre Leichname. Andere flohen auf die hohen Berge,
aber droben vor ihnen war die Spinne, und wenn sie sich gerettet
glaubten, so saß ihnen die Spinne im Nacken oder im Gesicht.
Das Untier ward immer boshafter, immer teuflischer. Es
überraschte nicht mehr unerwartet, brannte nicht mehr
unversehens den Tod ein, es saß vor dem Menschen im Grase,
hing über ihm am Baume, glotzte giftig ihn an. Dann floh der
Mensch, so weit seine Füße ihn trugen, und stund er atemlos stille,
so saß die Spinne vor ihm und glotzte giftig ihn an. Floh er
abermal, und mußte er abermals die Schritte hemmen, so saß sie
wieder vor ihm, und konnte er nicht mehr fliehen, dann erst kroch
sie langsam an ihn heran und gab ihm den Tod.
Da versuchte wohl mancher in der Verzweiflung Widerstand, und
ob die Spinne nicht zu töten sei, warf zentnerige Steine auf sie,
wenn sie vor ihnen im Grase saß, schlug mit Keulen, mit Beilen
nach ihr, aber alles umsonst, der schwerste Stein erdrückte sie
nicht, das schärfste Beil verletzte sie nicht, unversehens saß sie
dem Menschen im Gesicht, unversehrt kroch sie an ihn heran.
Flucht, Widerstand, alles war eitel. Da ging alles Hoffen aus, und
Verzweiflung füllte das Tal, saß auf den Bergen.
Ein einziges Haus hatte das Untier bis dahin verschont und war nie
in demselben erschienen; es war das Haus, in welchem Christine
gewohnt, aus welchem sie das Kindlein geraubet. Ihren eigenen
Mann hatte sie auf einsamer Weide angefallen, dort fand man
seinen Leichnam gräßlich zugerichtet wie keinen andern, seine
Züge zerrissen in unaussprechlichem Schmerze; an ihm hatte sie
ihren gräßlichsten Zorn ausgelassen, das gräßlichste Wiedersehn
dem Ehemanne bereitet. Aber wie es zuging, hat niemand
gesehen.
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