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Zum Hause war sie noch nicht gekommen; ob sie es bis zuletzt
sparen wollte oder ob sie sich scheute davor, das erriet man nicht.
Aber nicht weniger als an andern Orten war die Angst eingekehrt.
Das fromme Weibchen war genesen, und es zagte nicht für sich,
aber fast sehr um sein treues Bübchen und dessen
Schwesterchen und wachte über sie Tag und Nacht, und die treue
Großmutter teilte seine Sorgen und Wachen. Und gemeinsam
beteten sie zu Gott, daß er ihnen ihre Augen offenhalten möchte
zur Wache, daß er sie erleuchten und stärken möchte zur Rettung
der unschuldigen Kindlein.
Oft war es ihnen, wenn sie so wachten lange Nächte durch, als
sehen sie die Spinne glimmen und glitzern in dunkelm Winkel, als
glotze sie zum Fenster herein; dann ward ihre Angst groß, denn
sie wußten keinen Rat, wie vor der Spinne die Kindlein schützen,
und um so brünstiger baten sie Gott um seinen Rat und Beistand.
Sie hatten allerlei Waffen zur Hand gelegt, aber wie sie hörten,
daß der Stein seine Schwere, das Beil seine Schärfe verliere, sie
wieder beiseite gelegt. Da kam es der Mutter immer deutlicher vor,
immer lebendiger in den Sinn: wenn jemand es wagen würde, die
Spinne mit der Hand zu fassen, so vermochte man sie zu
überwältigen. Sie hörte auch von Leuten, die, als der Stein nichts
half, mit der Hand sie zu erdrücken versuchten, allein vergeblich.
Ein gräßlicher Glutstrom, der durch Hand und Arm zuckte, tilgte
jede Kraft und brachte den Tod ins Herz. Es kam ihr auch vor, zu
erdrücken vermochte sie die Spinne nicht, aber sie erfassen dürfte
sie wohl, und so viel Kraft würde ihr Gott verleihen, dieselbe
irgendwohin zu tun, sie unschädlich zu machen. Sie hatte schon
oft gehört, wie kundige Männer Geister eingesperrt hätten in ein
Loch in Felsen oder Holz, welches sie mit einem Nagel
zugeschlagen, und solange den Nagel niemand ausziehe, müsse
der Geist gebannt im Loche sein.
Gleiches zu versuchen, drängte der Geist sie immer mehr. Sie
bohrte ein Loch in das Bystal, das ihr am nächsten lag zur rechten
Hand, wenn sie bei der Wiege saß, rüstete einen Zapfen, der
scharf ins Loch paßte, weihte ihn mit geheiligtem Wasser, legte
einen Hammer zurecht und betete nun Tag und Nacht zu Gott um
Kraft zur Tat. Aber manchmal war das Fleisch stärker als der
Geist, und schwerer Schlaf drückte ihr die Augen zu, dann sah sie
im Traume die Spinne, glotzend auf ihres Bübchens goldenen
Locken, dann fuhr sie aus dem Traume, fuhr nach des Bübchen
Locken. Dort war aber keine Spinne, ein Lächeln saß auf seinem
Gesichtchen, wie Kindlein lächeln, wenn sie ihren Engel im
Traume sehen; der Mutter aber glitzerten in allen Ecken der
Spinne giftige Augen, und auf lange wich der Schlaf von ihr.
So hatte sie auch einmal nach strengem Wachen der Schlaf
überwältigt, und dicht umnachtete er sie. Da war es ihr, als stürze
der fromme Priester, der in der Rettung ihres Kindleins gestorben,
herbei aus weiten Räumen und rufe aus der Ferne her: Weib,
wache auf, der Feind ist da! Dreimal rief er so, und erst beim
drittenmal rang sie sich los aus des Schlafes engen Banden; aber
wie sie die schweren Augenlider mühsam erhob, sah sie langsam,
giftgeschwollen die Spinne schreiten übers Bettlein hinauf dem
Gesichte ihres Bübchens zu. Da dachte sie an Gott und griff mit
rascher Hand die Spinne. Da fuhren Feuerströme von derselben
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