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So ging es zu im Hause drunten, und das sämtliche Gesinde glich
bald einer Rudel Katzen, wenn sie am wüstesten tun. Von Beten
wußte man nichts mehr, hatte darum weder vor Gottes Willen noch
vor seinen Gaben Respekt. Wie die Hoffart der Meisterweiber
keine Grenzen mehr kannte, so hatte der tierische Übermut des
Gesindes keine Schranken mehr. Man schändete ungescheut das
Brot, trieb das Habermus über den Tisch weg mit den Löffeln sich
an die Köpfe, ja, verunreinigte viehisch die Speise, um boshaft den
andern die Lust am Essen zu vertreiben. Sie neckten die
Nachbaren, quälten das Vieh, höhnten jeden Gottesdienst,
leugneten alle höhere Gewalt und plagten auf alle Weise den
Priester, der strafend zu ihnen geredet hatte; kurz, sie hatten keine
Furcht mehr vor Gott und Menschen und taten alle Tage wüster.
Das wüsteste Leben führten Knechte und Mägde, und doch
plagten sie einander wie nur möglich, und als die Knechte nicht
mehr wußten, wie sie auf neue Art die Mägde quälen konnten, da
fiel es einem ein, mit der Spinne im Loche die Mägde zu schrecken
oder zahm zu machen. Er schmiß Löffel voll Habermus oder Milch
an den Zapfen und schrie, die drinnen werde wohl hungrig sein,
weil sie so viel hundert Jahre nichts gehabt. Da schrien die Mägde
gräßlich auf und versprachen alles, was sie konnten, und selbst
den andern Knechten graute es.
Da das Spiel sich ungestraft wiederholte, so wirkte es nicht mehr,
die Mägde schrien nicht mehr, versprachen nichts mehr, und die
andern Knechte begannen es auch zu treiben. Nun fing der an, mit
dem Messer gegen das Loch zu fahren, mit den gräßlichsten
Flüchen sich zu vermessen, er mache den Zapfen los und wolle
sehen, was drinnen sei, und sie müßten einmal auch was Neues
sehn. Das weckte neues Entsetzen, und der Bursche, der das tat,
ward allen Meister und konnte zwingen, was er wollte, besonders
bei den Mägden.
Das soll aber auch ein seltsamer Mensch gewesen sein, man
wußte nicht, woher er kam. Er konnte sanft tun wie ein Lamm und
reißend wie ein Wolf; war er alleine bei einem Weibsbilde, so war
er ein sanftes Lamm, vor der Gesellschaft aber war er wie ein
reißender Wolf und tat, als ob er alle haßte, als ob er über alles
auswolle mit wüsten Taten und Worten; solche sollen den
Weibsbildern aber gerade die liebsten sein. Darum entsetzten sich
die Mägde öffentlich vor ihm, sollen ihn aber doch, wenn sie alleine
waren, am liebsten von allen gehabt haben. Er hatte ungleiche
Augen, aber man wußte nicht, von welcher Farbe, und beide
haßten einander, sahen nie den gleichen Weg, aber unter langem
Augenhaar und demütigem Niedersehn wußte er es zu verbergen.
Sein Haar war schön gelockt, aber man wußte nicht, war es rot
oder falb, im Schatten war es das schönste Flachshaar, schien
aber die Sonne darauf, so hatte kein Eichhörnchen einen rötern
Pelz. Er quälte wie keiner das Vieh. Dasselbe haßte ihn auch
darnach. Von den Knechten meinte ein jeder, er sei sein Freund,
und gegen jeden wies er die andern auf. Den Meisterweibern war
er unter allen alleine recht, er alleine war oft im obern Hause, dann
taten unten die Mägde wüst; sobald er es merkte, steckte er sein
Messer an den Zapfen und begann sein Drohen, bis die Mägde
zum Kreuze krochen.
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