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Doch behielt dieses Spiel auch nicht lange seine Wirkung. Die
Mägde wurden dessen gewohnt und sagten endlich: Tue es doch,
wenn du darfst, aber du darfst nicht!
Es nahte Weihnacht, die heilige Nacht. An das, was dieselbe uns
weihet, dachten sie nicht, ein lustiges Leben hatten sie abgeraten
in derselben. Im Schlosse drunten hauste ein alter Ritter nur, und
der bekümmerte sich wenig mehr ums Zeitliche; ein schelmischer
Vogt verwaltete alles zu seinem Vorteil. Um ein Schelmenstück
hatten sie diesem edlen Ungarwein abgehandelt, neben welchem
Lande die Ritter in großem Streite lagen; des edlen Weines Kraft
und Feuer kannten sie nicht. Ein fürchterliches Unwetter kam
herauf mit Blitz und Sturm wie selten sonst um diese Zeit, keinen
Hund hätte man unter dem Ofen hervorgejagt. Zur Kirche zu
gehen, hielt es sie nicht ab, sie wären bei schönem Wetter auch
nicht gegangen, hätten den Meister alleine gehen lassen, aber es
hielt andere ab, sie zu besuchen; sie blieben allein im alten Hause
beim edlen Weine.
Sie begannen den heiligen Abend mit Fluchen und Tanzen, mit
wüstern und ärgern Dingen; dann setzten sie sich zum Mahle,
wozu die Mägde Fleisch gekocht hatten, weißen Brei und was sie
sonst Gutes stehlen konnten. Da ward die Roheit immer
gräßlicher, sie schändeten alle Speisen, lästerten alles Heilige; der
genannte Knecht spottete des Priesters, teilte Brot aus und trank
seinen Wein, als ob er die Messe verwaltete, taufte den Hund
unterem Ofen, trieb es, bis es angst und bange den andern wurde,
wie ruchlos sie sonst auch waren. Da stach er mit dem Messer ins
Loch und fluchte, er wolle ihnen noch ganz andere Dinge zeigen.
Als sie darob nicht erschrecken wollten, weil er das gleiche schon
manchmal getrieben und mit dem Messer gegen den Zapfen kaum
viel abzubringen war, so griff er in halber Raserei nach einem
Bohrer, vermaß sich aufs schrecklichste, sie sollten es erfahren,
was er könne, büßen ihr Lachen, daß ihnen die Haare zu Berge
ständen, und drehte mit wildem Stoße den Bohrer in den Zapfen
hinein. Laut aufschreiend stürzten alle auf ihn zu, aber ehe jemand
es hindern konnte, lachte er wie der Teufel selbst, tat einen
kräftigen Ruck am Bohrer.
Da bebte von ungeheurem Donnerschlag das ganze Haus, der
Missetäter stürzte rücklings nieder, ein roter Glutstrom brach aus
dem Loche hervor, und mittendrin saß groß und schwarz,
aufgeschwollen im Gifte von Jahrhunderten, die Spinne und glotzte
in giftiger Lust über die Frevler hin, die versteinert in tödlicher
Angst kein Glied bewegen konnten, dem schrecklichen Untiere zu
entrinnen, das langsam und schadenfroh ihnen über die Gesichter
kroch, ihnen einimpfte den feurigen Tod.
Da erbebte das Haus von schrecklichem Wehgeheul, wie hundert
Wölfe es nicht auszustoßen vermögen, wenn der Hunger sie
peinigt. Und bald erscholl ein ähnliches Wehgeschrei aus dem
neuen Hause, und Christen, der eben den Berg aufkam von der
heiligen Messe, meinte, es seien Räuber eingebrochen, und
seinem starken Arme trauend, stürzte er den Seinen zu Hilfe. Er
fand keine Räuber, aber den Tod; mit diesem rangen Weib und
Mutter und hatten schon keine Stimme mehr in den
hochaufgelaufenen, schwarzen Gesichtern; ruhig schlummerten
seine Kinder, und gesund und rot waren ihre munteren Gesichter.
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