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Es stieg in Christen die schreckliche Ahnung dessen auf, was
geschehen war; er stürzte ins untere Haus, dort sah er die
Diensten alle verendet, die Stube zur Totenkammer geworden,
geöffnet das schauerliche Loch im Bystal, in des scheußlich
entstellten Knechtes Hand den Bohrer und auf des Bohrers Spitze
den schrecklichen Zapfen. Jetzt wußte er, was da geschehen war,
schlug die Hände über dem Kopfe zusammen, und wenn die Erde
ihn verschlungen hätte, so wäre es ihm recht gewesen. Da kroch
etwas hinterem Ofen hervor, schmiegte sich ihm an; entsetzt fuhr
er zusammen, aber es war nicht die Spinne, es war ein armes
Bübchen, das er um Gottes willen ins Haus genommen und unter
dem ruchlosen Gesinde gelassen hatte, wie es ja auch jetzt viel
geschieht, daß man Kinder um Gottes willen nimmt und sie dem
Teufel in die Hände spielt. Das hatte keinen Teil genommen an
den Greueln des Gesindes, war erschreckt hinter den Ofen
geflohn; ihns allein hatte die Spinne verschont, es konnte nun den
Hergang erzählen.
Aber noch während das Bübchen erzählte, scholl durch Wind und
Wetter Angstgeschrei von andern Häusern her. Wie in
hundertjähriger, aufgeschwellter Lust flog die Spinne durch die
Talschaft, las zuerst die üppigsten Häuser sich aus, wo man am
wenigsten an Gott dachte, aber am meisten an die Welt, daher von
dem Tod am wenigsten wissen mochte.
Noch war es nicht Tag geworden, so war die Kunde in jeglichem
Hause: die alte Spinne sei losgebrochen, gehe aufs neue
todbringend um in der Gemeinde; schon lägen viele tot, und hinten
im Tale fahre Schrei um Schrei zum Himmel auf von den
Gezeichneten, die sterben müßten. Da kann man sich denken,
welch Jammer im Lande war, welche Angst in allen Herzen, was
das für eine Weihnacht war in Sumiswald! An die Freude, die sie
sonst bringt, konnte keine Seele denken, und solcher Jammer kam
vom Frevel der Menschen. Der Jammer aber ward alle Tage
größer, denn schneller, giftiger als das frühere Mal war die Spinne
jetzt. Bald war sie zuvörderst, bald zuhinterst in der Gemeinde; auf
den Bergen, im Tale erschien sie zu gleicher Zeit. Wie sie früher
meist hier einen, dort einen gezeichnet hatte zum Tode, so verließ
sie jetzt selten ein Haus, ehe sie alle vergiftet; erst wenn alle im
Tode sich wanden, setzte sie sich auf die Schwelle und glotzte
schadenfroh in die Vergiftung, als ob sie sagen wollte: sie sei es
und sei doch wieder da, wie lange man sie auch eingesperrt.
Es schien, als ob sie wüßte, ihr sei wenig Zeit vergönnt, oder als
ob sie sich viele Mühe sparen wollte, sie tat, wo sie konnte, viele
auf einmal ab. Darum lauerte sie am liebsten auf die Züge, welche
die Toten zur Kirche geleiten wollten. Bald hier, bald dort, am
liebsten unten am Kilchstalden tauchte sie mitten in den Haufen
auf oder glotzte plötzlich vom Sarge herab auf die Begleitenden.
Da fuhr dann ein schreckliches Wehgeschrei aus dem
begleitenden Zuge zum Himmel auf, Mann um Mann fiel nieder,
bis der ganze Zug der Begleitenden am Wege lag, und rang mit
dem Tode, bis kein Leben mehr unter ihnen war, und um den Sarg
ein Haufen Tote lag, wie tapfere Krieger um ihre Fahne liegen, von
der Übermacht erfaßt. Da wurden keine Toten mehr zur Kirche
gebracht, niemand wollte sie tragen, niemand geleiten; wo der Tod
sie streckte, da ließ man sie liegen.
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