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Verzweiflung lag überem ganzen Tale. Wut kochte in allen Herzen,
strömte in schrecklichen Verwünschungen gegen den armen
Christen aus; an allem sollte jetzt er schuld sein. Jetzt auf einmal
wußten alle, daß Christen das alte Haus nicht hätte verlassen, das
Gesinde nicht sich selbst überlassen sollen. Auf einmal wußten
alle, daß der Meister für sein Gesinde mehr oder minder
verantwortlich sei, daß er wachen solle über Beten und Essen,
wehren solle gottlosem Leben, gottlosen Reden und gottlosem
Schänden der Gaben Gottes. Jetzt war allen auf einmal Hoffart
und Hochmut vergangen, sie taten diese Laster in die unterste
Hölle hinunter und hätten es kaum Gott geglaubt, daß sie
dieselben noch vor wenig Tagen so schmählich an sich getragen;
sie waren alle wieder fromm, hatten die schlechtesten Kleider an
und die alten verachteten Rosenkränze wieder in den Händen und
überredeten sich selbst, sie seien immer gleich fromm gewesen,
und an ihnen fehlte es nicht, daß sie Gott nicht das gleiche
überredeten. Christen allein unter ihnen allen sollte gottlos sein,
und Flüche wie Berge kamen von allen Seiten auf ihn her. Und war
er doch vielleicht unter allen der Beste, aber sein Wille lag
gebunden in seiner Weiber Willen, und dieses Gebundensein ist
allerdings eine schwere Schuld für jeden Mann, und schwerer
Verantwortung entrinnt er nicht, weil er anders ist, als Gott ihn will.
Das sah Christen auch ein, darum war er nicht trotzig, pochte
nicht, gab sich schuldiger dar, als er war; aber damit versöhnte er
die Leute nicht, erst jetzt schrien sie einander zu, wie groß seine
Schuld sein müsse, da er so viel auf sich nehme, so weit sich
unterziehe, es ja selbst bekenne, er sei nichts wert.
Er aber betete Tag und Nacht zu Gott, daß er das Übel wende,
aber es ward schrecklicher von Tag zu Tag. Er ward es inne, daß
er gutmachen müsse, was er gefehlt, daß er sich selbst zum Opfer
geben müsse, daß an ihm liege die Tat, die seine Ahnfrau getan.
Er betete zu Gott, bis ihm so recht feurig im Herzen der Entschluß
emporwuchs, die Talschaft zu retten, das Übel zu sühnen, und
zum Entschluß kam der standhafte Mut, der nicht wankt, immer
bereit ist zur gleichen Tat, am Morgen wie am Abend.
Da zog er herab mit seinen Kindern aus dem neuen Haus ins alte
Haus, schnitt zum Loch einen neuen Zapfen, ließ ihn weihen mit
heiligem Wasser und heiligen Sprüchen, legte zum Zapfen den
Hammer, setzte zu den Betten der Kinder sich und harrte der
Spinne.
Da saß er, betete und wachte und rang mit dem schweren Schlaf
festen Mutes und wankte nicht; aber die Spinne kam nicht, ob sie
sonst allenthalben war; denn immer größer war der Sterbet, immer
wilder die Wut der Überlebenden.
Mitten in diesen Schrecken sollte ein wildes Weib ein Kind
gebären. Da kam den Leuten die alte Angst, ungetauft möchte die
Spinne das Kindlein holen, das Pfand ihrer alten Pacht. Das Weib
gebärdete sich wie unsinnig, hatte kein Gottvertrauen, desto mehr
Haß und Rache im Herzen.
Man wußte, wie die Alten gegen den Grünen sich geschützt vor
Zeiten, wenn ein Kind geboren werden sollte, wie der Priester der
Schild war, den sie zwischen sich und den ewigen Feind gestellt.
Man wollte auch nach dem Priester senden, aber wer sollte der
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