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Bote sein? Die unbegrabenen Toten, welche die Spinne bei den
Leichenzügen erfaßt, sperrten die Wege, und würde wohl ein Bote
über die wilden Höhen der Spinne, die alles zu wissen schien,
entgehen können, wenn er den Priester holen wollte? Es zagten
alle. Da dachte endlich der Mann des Weibes: wenn die Spinne ihn
haben wolle, so könne sie ihn daheim fassen wie auf dem Wege;
wenn ihm der Tod bestimmt sei, so entrinne er ihm hier nicht und
dort nicht.
Er machte sich auf den Weg, aber Stunde um Stunde rann
vorüber, kein Bote kam wieder. Wut und Jammer wurde immer
entsetzlicher, die Geburt rückte immer näher. Da riß das Weib in
der Wut der Verzweiflung vom Lager sich auf, stürzte hin nach
Christes Haus, dem tausendfach Verwünschten, der betend bei
seinen Kindern saß, des Kampfes mit der Spinne gewärtig.
Weither schon tönte ihr Geschrei, ihre Verwünschungen donnerten
an Christes Türe, lange ehe sie dieselbe aufriß und den Donner in
die Stube ihm brachte. Als sie hereinstürzte so schrecklichen
Angesichtes, da fuhr er auf, er wußte erst nicht, war es Christine in
ihrer ursprünglichen Gestalt. Aber unter der Türe hemmte der
Schmerz ihren Lauf, an den Türpfosten wand sie sich, die Flut
ihrer Verwünschungen ausgießend über den armen Christen. Er
sollte der Bote sein, wenn er nicht verflucht sein wolle mit Kind und
Kindeskindern in Zeit und Ewigkeit. Da überwallete der Schmerz
ihr Fluchen, und ein Söhnlein war geboren vom wilden Weibe auf
Christes Schwelle, und alle, die ihr gefolget waren, stoben ins
Weite, des Schrecklichsten gewärtig. Das unschuldige Kindlein
hielt Christen in den Armen; stechend und wild, giftig starrten aus
des Weibes verzerrten Zügen dessen Augen ihn an, und es ward
ihm immer mehr, als trete die Spinne aus ihnen heraus, als sei sie
es selbst. Da kam eine Kraft Gottes in ihn, und ein
übermenschlicher Wille ward in ihm mächtig; einen innigen Blick
warf er auf seine Kinder, hüllte das neugeborne Kind in sein warm
Gewand, sprang über das glotzende Weib den Berg hinunter das
Tal entlang, Sumiswald zu. Zur heiligen Weihe wollte er das
Kindlein selbsten tragen zur Sühne der Schuld, die auf ihm lag,
dem Haupte seines Hauses, das übrige überließ er Gott. Tote
hemmten seinen Lauf, vorsichtig mußte er seine Tritte setzen. Da
ereilte ihn ein leichter Fuß, es war das arme Bübchen, dem es
graute bei dem wilden Weibe, das ein kindlicher Trieb dem Meister
nachgetrieben. Wie Stacheln fuhr es durch Christes Herz, daß
seine Kinder alleine bei dem wütenden Weibe seien. Aber sein
Fuß stund nicht stille, strebte dem heiligen Ziele zu.
Schon war er unten am Kilchstalden, hatte die Kapelle im Auge, da
glühte es plötzlich vor ihm mitten im Wege, es regte sich im
Busche, im Wege saß die Spinne, im Busche wankte rot ein
Federbusch, und hoch hob sich die Spinne alswie zum Sprunge.
Da rief Christen mit lauter Stimme zum dreieinigen Gott, und aus
dem Busche tönte ein wilder Schrei, es schwand die rote Feder, in
des Bübchens Arme legte er das Kind und griff, dem Herren
seinen Geist empfehlend, mit starker Hand die Spinne, die, wie
gebannt durch die heiligen Worte, am gleichen Flecke sitzenblieb.
Glut strömte durch sein Gebein, aber er hielt fest; der Weg war
frei, und das Bübchen, verständigen Sinnes, eilte dem Priester zu
mit dem Kinde, Christen aber, Feuer in der starken Hand, eilte
geflügelten Laufes seinem Hause zu. Schrecklich war der Brand in
seiner Hand, der Spinne Gift drang durch alle Glieder. Zu Glut
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