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Im Hast ob den vielen zu besorgenden Dingen und der Angst, zu
spät zu kommen, hatte man die Mitteilung dieses Namens
vergessen, und nach diesem Namen zu fragen, hatte ihr ihres
Vaters Schwester, die Base, ein für allemal streng verboten, wenn
sie ein Kind nicht unglücklich machen wolle; denn sobald eine
Gotte nach des Kindes Namen frage, so werde dieses zeitlebens
neugierig.
Diesen Namen wußte sie also nicht, durfte nicht darnach fragen,
und wenn ihn der Pfarrer auch vergessen hatte und laut und
öffentlich darnach fragte oder im Verschuß den Buben Mädeli oder
Bäbeli taufte, wie würden da die Leute lachen und welche
Schande wäre dies ihr Leben lang! Das kam ihr immer
schrecklicher vor; dem starken Mädchen zitterten die Beine wie
Bohnenstauden im Winde, und vom blassen Gesichte rann ihm der
Schweiß bachweise.
Jetzt mahnte die Wirtin zum Aufbrechen, wenn sie vom Pfarrer
nicht wollten angerebelt werden; aber zur Gotte sagte sie: »Du,
Meitschi, stehst das nicht aus, du bist ja weiß wie ein
frischgewaschenes Hemd.« Das sei vom Laufen, meinte diese, es
werde ihr wieder bessern, wenn sie an die frische Luft komme.
Aber es wollte ihr nicht bessern, ganz schwarz schienen ihr alle
Leute in der Kirche, und nun fing noch das Kind zu schreien an,
mörderlich und immer mörderlicher. Die arme Gotte begann es zu
wiegen in ihren Armen, heftiger und immer heftiger, je lauter es
schrie, daß Blätter stoben von ihrem Malen an der Brust. Auf
dieser Brust ward es ihr enger und schwerer, laut hörte man ihr
Atemfassen. Je höher ihre Brust sich hob, um so höher flog das
Kind in ihren Armen, und je höher es flog, um so lauter schrie es,
und je lauter es schrie, um so gewaltiger las der Pfarrer die
Gebete. Die Stimmen prasselten ordentlich an den Wänden, und
die Gotte wußte nicht mehr, wo sie war; es sauste und brauste um
sie wie Meereswogen, und die Kirche tanzte mit ihr in der Luft
herum. Endlich sagte der Pfarrer »Amen«, und jetzt war der
schreckliche Augenblick da, jetzt sollte es sich entscheiden, ob sie
zum Spott werden sollte für Kind und Kindeskinder; jetzt mußte sie
das Tuch abheben, das Kind dem Pfarrer geben, den Namen ihm
ins rechte Ohr flüstern. Sie deckte ab, aber zitternd und bebend,
reichte das Kind dar, und der Pfarrer nahm es, sah sie nicht an,
frug sie nicht mit scharfem Auge, tauchte die Hand ins Wasser,
netzte des plötzlich schweigenden Kindes Stirne und taufte kein
Mädeli, kein Bäbeli, sondern einen Hans Uli, einen ehrlichen,
wirklichen Hans Uli.
Da war's der Gotte, als ob nicht nur sämtliche Emmentalerberge
ihr ab dem Herzen fielen, sondern Sonne, Mond und Sterne, und
aus einem feurigen Ofen sie jemand trage in ein kühles Bad; aber
die ganze Predigt durch bebten ihr die Glieder und wollten nicht
wieder stille werden. Der Pfarrer predigte recht schön und
eindringlich, wie eigentlich das Leben der Menschen nichts anders
sein solle als eine Himmelfahrt; aber zu rechter Andacht brachte
es die Gotte nicht, und als man aus der Predigt kam, hatte sie
schon den Text vergessen. Sie mochte gar nicht warten, bis sie
ihre geheime Angst offenbaren konnte und den Grund ihres
blassen Gesichtes. Viel Lachens gab es, und manchen Witz mußte
sie hören über die Neugierde, und wie sich die Weiber davor
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